Franz Wanner, DUAL-USE, 2016

 



Franz Wanner, DUAL-USE, 5-Kanal-Installation, 2016
Bildschirme, Soundglocken, Stahlbänke, Beamerprojektionen

DUAL-USE I: Global Cocktail, HD Video, 4 Min.
DUAL-USE II: Biosprengstoff, HD Video, 1 Min.
DUAL-USE III: Kampfmodel, HD Video, 3 Min.
DUAL-USE IV: Or do we have the same?, HD Video, 11 Min.
DUAL-USE V: Weltverzweiflungsmaschine, Programmcode, – ∞
DUAL-USE Publikation, 24 Seiten, Farbe, 9 Abbildungen

DUAL-USE, Installationsansicht Kunstbau, Franz Wanner, 2016

Die Installation DUAL-USE* zieht den titelgebenden Begriff in Zweifel. Vier Bildschirme zeigen fragwürdige Favoriten einer globalisierten Waren- und Wissensproduktion.

Die Tätigkeit einer Drohnenpilotin der US-Armee, die parallel als Model arbeitet, wird von Dauerregen unterlaufen – weder der Strike noch das Shooting lassen sich bei Niederschlag erfolgreich durchführen. Ein Chemieprofessor sitzt im Explosionswind, während er seinen Rüstungsauftrag im deutschen Bildungssystem verteidigt. Der Geschäftsführer eines Dual-Use-Herstellers ist von Knallgeräuschen seiner eigenen Produkte irritiert. Eine Entwicklerin humanoider Roboter begegnet deren Potentialen zwischen Krieg und Kinderzimmer.

DUAL-USE, Installationsansicht Kunstbau, Franz Wanner, 2016

Den Videos werden Störgeräusche entnommen und an eine Programmierung geschickt, die sie kombiniert und im Raum wiedergibt. Die ökonomisierten Ambitionen der Akteure steigern die Performance der Weltverzweiflungsmaschine. Sie verbreitet das algorithmische Grundrauschen einer militarisierten Massenkultur, die ihr eigenes Störgeräusch permanent produziert und nicht mehr wahrnimmt. Der Programmcode, der dem Schallgebilde zugrunde liegt, läuft als großflächig projizierter Zeichenstrom unablässig über die Rückwand des Ausstellungsraums.

DUAL-USE, Installationsansicht Kunstbau, Franz Wanner, 2016

 

*Definition „Dual-Use“

  • Produkte und Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können
  • Rüstungsgüter, die nicht als solche deklariert werden, um Exportverordnungen zu umgehen
  • Wissenschaft und Forschung, die dem Wohl der Menschheit dient, in den falschen Händen
    (also nicht den eigenen) aber zur Katastrophe führt

 

Still aus DUAL-USE III: Kampfmodel, 3 Min., Franz Wanner, 2016
Still aus DUAL-USE III: Kampfmodel, 3 Min., Franz Wanner, 2016 

DUAL-USE, Radio
Franz Wanner im Interview mit Joana Ortmann, 25.07.2016
http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/kulturwelt/franz-wanner-dual-use-lenbachhaus-favoriten-iii-100.html

DUAL-USE, Publikation
24 Seiten, Farbe, 9 Abbildungen, deutsch und englisch
Konzept und Text: Franz Wanner, 2016

Die Publikation DUAL-USE ist Teil der gleichnamigen Installation und liegt während der Ausstellung im Kunstbau zum mitnehmen aus. Als Printfassung und zum kostenlosen Download ist das Heft erhältlich unter http://www.imi-online.de/2016/07/21/dual-use

Abrüstungskontrolle, Franz Wanner, 2016
Freiwillige Fremdkontrolle, Franz Wanner, Wachtberg 2016

Das weltgrößte Radom gehört zum Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) in Wachtberg. Das FKIE kooperiert mit der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und ist Mitglied im Fraunhofer-Verbund Verteidigungs- und Sicherheitsforschung (VVS). Eine gemeinsame Forschungsarbeit des FKIE und des Instituts für Informatik der Universität Bonn trägt den Titel „A component-based approach to visual person tracking from a mobile platform”. In dem Projekt registriert ein mobiler Roboter Merkmale wie Haar- und Hautfarbe, um Personen selbständig zu erkennen und zu verfolgen.

 Still aus DUAL-USE IV: Or do we have the same?, 11 Min., Franz Wanner, 2016
Still aus DUAL-USE IV: Or do we have the same?, 11 Min., Franz Wanner, 2016

Militärische Verwundbarkeitsanalysen zeigen die menschliche Gegenwart als Schwachstelle. Selbst staatlich organisierter Vorsorgeterrorismus, der seine technologische Exzellenz im bewaffneten Fernlenkvideo sieht, kann die angreifbare Restpräsenz seiner Drohnenoperateure nicht auf null reduzieren. Ihre bodenlose Tätigkeit über Livebilder Anschläge aus der Luft zu verüben, lässt sie körperlich unverletzt, aber kann sie mit existenziellen Zweifeln an ihrer Berufswahl belasten. Im Gegensatz dazu sind autonome Systeme frei von Identität und funktionieren zweifellos. Die Kommunikation zwischen Kamera und Zielsensorik übernimmt ein Algorithmus, der Lebensmuster analysiert und abweichende Elemente substrahiert. Maschinen erweisen sich als intelligent genug, um Waffen zu betätigen. Die Frage, ob sich Menschen als intelligent genug erweisen, um sich nicht wie Maschinen betätigen zu lassen, beantwortet Bob, der als eine der führenden künstlichen Intelligenzen gilt, mit hochaufgelöstem Glitch.

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Still aus DUAL-USE IV: Or do we have the same?, 11 Min., Franz Wanner, 2016

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