Vom Feinen zum Groben (Teil 1)

 

 

Vom Feinen zum Groben (Teil 1)

cof

Zurück aus Japan! Zurück zu alldem, was liegenbleiben musste. Was tut der Mensch wenn er Ordnung in seine Gedanken bringen will? Richtig! Aufräumen, das Unwesentliche vom Wesentlichen trennen und die Hoffnung dabei nicht verlieren, dass sich diese Handlung auf die eigenen neuronalen Prozesse und deren identitätsstiftende Auswirkungen überträgt. Damit bildet dieser Haufen den feinstofflichen Einstieg in meinen Blog. Mir kam die Idee, als ich mir dieses Bild mehr oder weniger unbewusst zusammengekehrt hatte und mich gleichzeitig dieser Blog beschäftigte.

Was wir sehen blickt uns an, heißt ein Buch von Didi Hubermann. Weil Hubermanns These ohne meine Erläuterungen zu dem, was ihr auf dem Foto sehen könnt, nur auf eine Privatwelt und damit Idiotie hinauslaufen würde, möchte ich hier ein paar Dinge daraus beschreiben.

Rötlicher Staub

Beim Bohren tiefer Löcher in die Backsteinwand entstanden. Für eine stabile Leiste auf die ich schwere Fenster stellte um daraus Kunst zu machen. Die Fenster hatte ich von Glas Arnold in Fürstenfeldbruck gesponsert bekommen. Auch an dieser Stelle: Vielen Dank!

Die Ausstellung lief unter dem Titel Follow in der Galerie Karin Wimmer. Da ging es um die Umkehrung von den Begriffen Privat und Öffentlich anhand von Fotos, auf denen schlafende Kinder abgebildet sind. Das Bildmaterial kann man sich auf www.flickr.com, einer Online Fotocomunity, downloaden. Die Fenster, die ich vor den Ausdrucken installierte, sind mit einem Strukturglas ausgestattet. Diese Struktur erzeugt eine pixelartige Brechung, mit der das private Leben vor der Öffentlichkeit visuell verschleiert wird.

img_5865_klein             awww! #1, 2016, (Online seit 2013), 1904 Aufrufe

Jeder, der mal sein eigenes Kind beim Schlafen fotografiert hat, weiß, dass solche Bilder eigentlich keinen Platz in der anonymen Öffentlichkeit haben sollten. In den Metatags der Internetseite kann man sehen, dass häufig der Moment der Aufnahme auch mit dem Moment zusammenfällt, in dem das Bild automatisch, weil vom User so voreingestellt, ins Internet hochgeladen und veröffentlicht wird. Mit Download Option in High Resolution Quality!

10v0388aHirtenknabe, 1860, F. v. Lenbach

Den Kunstdruck besitze ich schon lange. Nun gesellt sich eine Prinzessin hinzu. Denn mit dem Staub könnte ich rote Zahlen schreiben. Die Reaktionen auf die Arbeit waren zwiespältig. Die Ästhetik war der Wahnsinn, wirklich! Sobald man aber Kinder zum Thema in der Kunst macht, schrillen sofort die Alarmglocken und die Angst frisst wieder Seelen auf. Wie man sich vorstellen kann, hätte ich eine ganze Reihe von privaten Ausstülpungen ins Netz aufgreifen können. Von Spaghetti Cabonara Gesichtern bis zur Kleintierzucht. Essentiell wird es aber an anderer Stelle. Ob es F.v.Lenbach auch so gegangen ist?

 

Mehr Bilder zu der Ausstellung findet ihr, wenn ihr euch traut das Bild anzuklicken.

img_5838_kleinperfect, 2016, (online seit 2011), 587 Aufrufe

 

Gelber Staub

Das ist das aktuellste Material hier im Atelier. Bestehend aus feinem Pressspanholzstaub, der bei Schleifarbeiten für einen Sockel angefallen ist und den ich Deborah Schamoni gebracht habe, um ihn für die ArtFair in Paris zu verpacken. Auch das gehört zum Berufsbild des Künstlers: Es gibt keins.

cof

 

Braunes Pulver:

Kaffee!!!

Desweiteren:

Eine immerhin abgearbeitete To do Liste, ein rosa Zettel von meiner Tochter Yara (die hat auch das abgebildete Auge aus einer Modezeitschrift ausgeschnitten und damit Zyklop gespielt, sehr lustig!!).

To do now: Das Zyklopen Auge unbedingt wieder aus dem Müll fischen!